Hochschulstrukturkommission Brandenburg fordert Abschaffung des Jurastudiums an der Uni Potsdam!

Am vergangenen Freitag (8. Juni 2012) wurde dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg der Abschlussbericht der Hochschulstrukturkommission vorgelegt.

Von Interesse für …Jurabilis! sind natürlich die Passagen zu den zwei rechtswissenschaftlichen Fakultäten des Landes. Für mich persönlich auch von Interesse, weil ich gebürtiger Brandenburger bin und die übertriebene Förderung der Viadrina in Frankfurt (Oder) seit Jahren mitverfolge.

Im Bericht heißt es dann:

Die Hochschulstrukturkommission ist auf Grundlage dieser Beobachtungen zu dem Schluss gekommen, dass der bestehende „Output“ an Absolventinnen und Absolventen die parallele Existenz von zwei klassischen rechtswissenschaftlichen Studiengängen nicht rechtfertigt, sondern dass es im Sinne eines effektiven Ressourceneinsatzes und einer zukunftsgerichteten Profilierung und Weiterentwicklung der brandenburgischen Hochschullandschaft empfehlenswert ist, die bisherigen zwei Studiengänge in nur mehr einem Studienangebot „Rechtswissenschaften“ mit dem Ziel Erste Juristische Prüfung zusam-menzuführen. […]
Die Kommission empfiehlt der Landesregierung, die Zusammenführung der beiden rechtswissenschaft-lichen Studiengänge mit dem Abschluss Erste Juristische Prüfung an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder durchzuführen. Mit Blick auf die im Jahr 2012 in Berlin und Brandenburg und im Jahr 2013 in großen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen anstehenden doppelten Abiturjahrgänge und die dementsprechend zu erwartende verstärkte Studienplatznachfrage schlägt die Hochschulstrukturkommission dabei zugleich vor, letztmalige Immatrikulationen in den Studiengang Rechtswissenschaften der UNIP zum WS 2013/14 vorzusehen. (S. 83f.)

Die Uni Potsdam gibt dazu folgende Pressemitteilung heraus:

Universität Potsdam reagiert mit Gegenvorschlägen auf Empfehlungen der Hochschulstrukturkommission zur Zukunft der Juristenausbildung in Brandenburg

Die Juristenausbildung sowohl an der Universität Potsdam als auch an der Europa-Universität Viadrina ist unverzichtbar für eine attraktive und vielfältige Hochschullandschaft in Brandenburg. Statt einer Konzentration an einem Standort plädiert die Potsdamer Universitätsleitung für eine stärkere Profilierung, die die Ausbildungsgänge nicht mehr als Doppelung erscheinen lässt und neben dem Staatsexamen auch Bachelor- und Masterabschlüsse ermöglicht.

Die inhaltlichen Vorschläge der Hochschulstrukturkommission zur Zukunft der Juristenausbildung im Land Brandenburg werden an der Universität Potsdam ausdrücklich positiv aufgenommen und begrüßt. Eine Konzentration der Juristenausbildung an einem Ort wird hingegen als nicht zielführend abgelehnt. „Der Schluss der Kommission, dies könne zu einer Effizienzsteigerung führen, ist nicht nachvollziehbar“, sagt Prof. Oliver Günther, Präsident der Universität Potsdam. „Studierende wählen einen Studienort, weil dort ein besonders profiliertes Angebot vorhanden ist – oder aus ganz persönlichen Motiven. Es ist unwahrscheinlich, dass an einem Ort fern von Berlin durch die Konzentration der Ausbildungskapazität eine zusätzliche Nachfrage nach Studienplätzen entsteht.“ […]

Richtig!

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Politik in Brandenburg nicht glänzende Hochschularbeit einer vermeintlichen Regionalstrukturförderung in der Kleinstadt opfert!

Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!

Nachtrag: Das Blog Juristischer Gedankensalat geht ins Detail!

9 comments on “Hochschulstrukturkommission Brandenburg fordert Abschaffung des Jurastudiums an der Uni Potsdam!

  1. PotsdamerIn on said:

    So idiotisch wird doch wohl nicht mal die Regierung Platzeck sein. Und Frau Kunst (als ehemalige Potsdamer Präsidentin) erst recht nicht.

    Über die JurFak der Viadrina muss man ja wohl keine Worte verlieren …

  2. Jessica on said:

    Ich gebe Dir vollkommen Recht!
    Frau Kunst dürfte das Vorhaben unterstützen, ist sie doch diejenige die die Rechtswissenschaften nicht für eine Wissenschaft hält.

    Ich habe meine Meinung dazu – als Betroffene – aufgeschrieben, siehe hier: http://www.juristischer-gedankensalat.de/2012/06/11/hochschulstrukturkommission-brandenburg-empfiehlt-konzentration-der-juristenausbildung-an-einem-standort-juristische-fakultat-potsdam-soll-geschlossen-werden/

    Für mich ist die Empfehlung in keinster Weise nachvollziehbar. Jeder der mal mit einem Studenten von der Viadrina gesprochen hat und/oder mit einem der vielen Wechsler wird das ebenso sehen.
    Man munkelt es gehe dabei auch um den Aspekt Solartec, die Region ist geschwächt und wir sollen es dann reissen. Funktioniert nur nicht, wer will denn nach FFO?

  3. Matthias Trinks on said:

    Dieses Viadrina-Bashing… Sehr sonderbar. Naja zumindest Steuerrecht kann man in FFO besser studieren, als in Potsdam – nichts für ungut, Herr Musil :-)

    Und was soll die Kommission denn auch vorschlagen? Die Verlegung der Juristen nach Potsdam führte dazu, dass man die Viadrina schließen müsste. Das kann – z.B. mit Blick auf die aktuelle Exzellenzinitiative – ja nicht sein.

    • Tibor Schober on said:

      Hallo,

      Das ist kein Bashing, das ist nur die Realität. Die Idee einer Halbuniversität mit nur drei Fakultäten war in den 90ern gut, aber heute nicht mehr zielführend. Spätestens durch den EU Beitritt der Polen hat sich auch die Sonderstellung Grenze zu Polen nivelliert. Polen studieren nun auch prima in Berlin, Hamburg oder Gießen und Tübingen.

      Insoweit ist es lediglich eine rein politische Entscheidung, wenn man nun der größeren UP etwas wegnimmt um den “kleinen Konkurrenten” zu pushen. Und das sage ich, obwohl ich in der Nähe von FF groß geworden bin und weil ich mich dennoch für die HU Berlin entschieden habe!

      Last but not least: Der ganze Bericht krankt daran nur Brandenburg zu betrachten. Der Einfluß der Berliner Hochschullandschaft wird nahezu vollständig ausgeblendet!

      Zum Steuerrecht: Die Viadrina hat keinen Steuerrechtlichen Lehrstuhl!

      http://www.rewi.europa-uni.de/de/lehrstuhl/index.html

      Es gibt vielleicht Steuerlehre von Kudert, aber BWL Steuerlehre und juristisches Steuerrecht unterscheiden sich in Bezug auf die Lehre diametral!

      Gruß
      T.S.

      ps woher das Bashing von Herrn Musil? Kennen Sie den Herrn? Ich ja!

  4. Friedhelm on said:

    Danke für den Hinweis auf erneute politische Willkür in Hochschulfragen. Diese ist uns im Grundsatz seit Schavan zwar allen bekannt, aber stets erneut hinsichtlich mancher Protagonisten der Bildunsgpolitik geistig mitleidsvoll unterhaltsam.

  5. Matthias Trinks on said:

    Aber natürlich kenne ich Professor Musil. Die These “besser” bezog sich auch eher auf die Quantität, da an der Viadrina – im gebührenfreien Studium – mehr Steuerrecht angeboten wird, als in Potsdam. Insofern ist das mit dem fehlenden Lehrstuhl auch nicht vollständig korrekt, da es eine Professur für Steuerrecht gibt. Die ist auf der HP allerdings schwer zu finden, insofern kein Vorwurf.

    Das mit Berlin habe ich ehrlich gesagt nich verstanden. Die Unis in Potsdam und FFO sind doch nahezu gleich weit von Berlin entfernt (FFO +15min).

    Ohnehin ist die Diskussion wohl müßig. Frau Professor Kunst wird ja keine Fakultät aus der Landeshauptstadt und ihrer alten Wirkungsstätte abziehen. Damit sind am Ende des Tages dann alle zufrieden.

  6. Matthias Trinks on said:

    Soviel dann auch zur “politischen Willkür in Hochschulfragen” :-)

  7. Berthold on said:

    Um ehrlich zu sein, FFO liegt in der Pampa, wo die wenigsten studieren, geschweige denn leben wollen oder überhaupt können, Stichwort Studienfinanzierung und Nebenjobs. Potsdams Berlinnähe ist hingegen unbestritten, die Vorzüge ebenso.

  8. Pingback: Uni Potsdam: Hängepartie für Juristische Fakultät geht weiter | jurabilis – juristisches Weblog aus Berlin

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