Uni Potsdam: Juristische Fakultät beruhigt Studienanfänger

Durch das beharrliche Schweigen der Landesregierung (…jurabilis! berichtete) ist der Studiendekan offenbar gezwungen, auf die vermutlich zahlreich geäußerten Sorgen der Studienanfänger mit einer öffentlichen Klarstellung zu reagieren:

Die Universität hat kürzlich die Zulassungen zum Studium der Rechtswissenschaften in Potsdam versandt. Zahlreiche Anfragen machen deutlich, dass die Diskussion über die Zukunft unserer Fakultät die Bewerber verunsichert. Dafür gibt es keinen Grund.

Wer an der Juristischen Fakultät in Potsdam das Jurastudium aufnimmt, kann es auch in Potsdam beenden. Die Regelstudienzeit ist jedem Studierenden gesetzlich gewährt. Das gilt auch dann, wenn es zu einer Schließung kommen sollte.

Entschieden ist allerdings noch nichts! Im Raum steht bislang lediglich die Empfehlung einer Expertenkommission, welche die Landesregierung bei der Entwicklungsplanung für die Brandenburgische Hochschullandschaft berät. Wie sich immer mehr herausstellt, ist diese Empfehlung nicht überzeugend begründet und auch strukturpolitisch wenig durchdacht.

Zudem hat die Universität Potsdam auf die Empfehlung der Expertenkommission mit einem Reformkonzept reagiert, das mit Interesse aufgenommen wurde. Das Konzept sieht neue, attraktive Studienangebote vor, die zu dem klassischen Staatsexamensstudiengang hinzukommen.

Die Fakten sprechen für unsere Fakultät. Wir sind überzeugt, dass dies am Ende den Ausschlag geben und den Standort Potsdam auf Dauer sichern wird.

Derweil reagiert der Oberbürgermeister von Frankfurt/Oder leicht gereizt:

“Ich habe den Eindruck, dass sich viele Diskutanten mehr von ihren Gefühlen für Potsdam leiten lassen als von sachlichen Argumenten”, kritisierte Wilke am Mittwoch. Es könne nicht sein, “dass man Brandenburg jetzt in zumutbare und nicht zumutbare Regionen unterteilt”.

Ob gerade die Juristische Fakultät der Viadrina nun unbedingt hoffen sollte, dass im Vergleich mit der Rivalin aus Potsdam “sachliche Argumente” entscheiden, überlassen wir der Beurteilung des objektiven Publikums …

Uni Potsdam: Hängepartie für Juristische Fakultät geht weiter

Wie die PNN melden, lässt sich die Landesregierung von Brandenburg weiter Zeit mit einer inhaltlichen Stellungnahme zum weithin abgelehnten Vorschlag der Hochschulstrukturkommission (…jurabilis! berichtete). Die Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Linda Teuteberg (insb. hinsichtlich Fragen 4, 6 und 7) war jedenfalls alles andere als geeignet, Hoffnungen auf eine zeitnahe und weise Entscheidung zu wecken.

Gibt es eigentlich irgendeine veröffentlichte Stellungnahme, die den Vorschlag der Hochschulstrukturkommission positiv bewertet oder gar unterstützt?

Jurastudentin wegen “Beamtenbeleidigung” vor Gericht

Die Qualitätspresse berichtet:

Anklage: Beleidigung.
Die Angeklagte: Studentin im ersten Semester.
Fach: ausgerechnet Jura.
„Arme Sau!“ und „Du hast doch sowieso nur einen IQ von 88“, soll die blonde Studentin gesagt haben.
ZU ZWEI POLIZISTEN!

Wie der Jurastudent schon im zweiten Semester lernt, stellt die Beleidigung eines Polizeibeamten natürlich einen unbenannten schweren Fall der Beleidigung dar. Das gehört dann zwingend vor den Kadi!

Der Hintergrund wird natürlich auch berichtet (und da es nicht soviel ist, bitte dem Link folgen, damit hier kein Vollzitat steht).

Die Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld angeboten, das Verfahren gegen 60 Stunden gemeinnützige Arbeit einzustellen. Franziska H. lehnte ab. […] In Jugendjahren fiel sie bereits wegen Diebstahls, versuchten Betrugs und Urkundenfälschung auf. Dass das jetzt im Register steht, scheint sie auch nicht gewusst zu haben.

Nach einem prozessualen “Kniff” (‘Sollen wir alle Zeugen hören?’) hat der liebe Richter am Amtsgericht auch noch belehrend und befriedigend eingegriffen.

Richter: „Sie studieren Jura! So geht das nicht weiter.“

Der hat gesessen; die Studentin akzeptiert eine Einstellung nach § 153a StPO (250€) und

zum Schluss entschuldigt sie sich im Saal sogar noch bei den Polizisten.

Happy End!

Tempora mutantur …

… mag sich die Leitung der Benutzungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin gedacht haben, als sie die folgende, nachgerade revolutionär anmutende Neuregelung im Monatsbericht verkündete:

Neue Anwendungsmöglichkeiten für Smartphones machen veränderte Benutzungsbedingungen von Mobiltelefonen in den Lesesälen notwendig. Seit Anfang August dürfen Mobiltelefone auch innerhalb des kontrollierten Bereichs eingeschaltet werden, sofern mit ihnen lautlos gearbeitet wird. Weiterhin ist es unzulässig, daß von den Geräten Klingelgeräusche jeder Art ausgehen oder sie als Telefon eingesetzt werden. Jede weitere Nutzung von Mobiltelefonen wird künftig geduldet: so etwa das Schreiben von SMS, das Scannen von QR-Codes, die Nutzung als Uhr, das Abhören des mobilen Anrufbeantworters, die Nutzung als Internetzugang und als Fotoapparat.

Das setzt natürlich andere altehrwürdige Institutionen mächtig unter Druck. Im Konklave allerdings dürfte so schnell kein Wind der Veränderung wehen.

Berliner Jurastudentin muss Lebensmittel von der Tafel holen!

Skandal! Die Berliner Zeitung berichtet über eine Berliner Jurastudentin, die Lebensmittel von der Tafel holen muss!

[…] vor der St. Markus-Kirche in Friedrichshain […] Janina P. fällt auf. Die 27-Jährige ist jünger als die anderen, trägt Bluejeans und Blazer. […] Sie ist Jura-Studentin. […]

Als Gründe für den Studentenzustrom nennt Heil die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die jungen Leute würden über hohe Mieten und weniger verfügbare Jobs klagen. Maria Rohde von der Sozialberatung des Studentenwerks nennt noch ein Problem: „Im Zuge der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem sind viele Studiengänge verschult worden, es gibt Stundenpläne und Anwesenheitspflicht. Oft ist es Studenten zeitlich nicht möglich, einen Nebenjob in ihren Uni-Alltag zu integrieren.“

Kann zumindest für Jurastudenten mangels Bachelor/Master nicht zutreffen, oder?

Eigentlich sollte in diesem Fall die Bafög-Unterstützung greifen, doch nicht alle Studierenden erfüllen die Kriterien. […]
Dem widerspricht Janina P. . „Es ist mir peinlich, abgelaufene Lebensmittel nötig zu haben“, sagt sie. […] „Doch was wäre die Alternative? Einen Studentenkredit aufnehmen und mein Leben mit einem Schuldenberg starten? Nein, danke.“

Vielleicht? Ist ja nun nicht total unüblich… Aber wir erfahren mehr:

Die Jura-Studentin bekommt kein Bafög mehr. „Ich studiere schon länger, als es die Regelstudienzeit vorschreibt. Das Bafög wurde mir im März gestrichen.“ Seitdem lebe sie von 508 Euro im Monat: 400 Euro Gehalt aus ihrem Nebenjob und 108 Euro Wohngeld. Ihre Mutter sei Frührentnerin und selbst in Finanznöten.

Aha! 508€ reichen in Berlin nicht mehr für ein WG-Zimmer, das Semesterticket und paar Lebensmittel aus dem Discounter? Vielleicht verprasst die Dame ja gerade ihr Geld in einem Kommerz-Rep (Achtung: nur Vermutungen!)? Also als Single find ich jetzt 508€ nicht Tafel-zwingend, wohl er ein Umstellungsproblem nach dem Bafög-Wegfall? Und Abschluss in der Regelstudienzeit ist eigentlich auch kein Kunststück …

Rechtschreibmix nach Gesetzesupdates

§ 270 Abs. 2 InsO, dessen Nr. 2 offenbar aufgrund des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen vom 07.12.2011 (BGBl. I S. 2582) mit Wirkung zum 01.03.2012 geändert wurde, zeigt jetzt ein irritierendes Nebeneinander verschiedener Rechtschreibvarianten:

(2) Die Anordnung setzt voraus,

1. daß sie vom Schuldner beantragt worden ist und
2. dass keine Umstände bekannt sind, die erwarten lassen, dass die Anordnung zu Nachteilen für die Gläubiger führen wird.

Schön, dass wenigstens nicht dem aktuellen Trend in der Bevölkerung (“das”) nachgegeben wurde.

Hochschulverband fordert Einführung eines Straftatbestandes “Wissenschaftsbetrug”

In seiner Pressemitteilung erläutert der DHV die Hintergründe dieser Forderung:

Um der Entwertung akademischer Grade einen Riegel vorzuschieben, müssten die Abschreckungsinstrumente geschärft werden. Das Aufspüren und die Ahndung von Plagiaten müsse auch in Zukunft die Scientific Community leisten. Gegenüber gewerblichen Promotionsberatern, die seit Jahrzehnten ungehindert per Annonce gegen hohe Entgelte Rundum-Sorglos-Pakete um die Dissertation anböten, sei die Wissenschaft, so Kempen weiter, aber weitgehend machtlos. Schätzungen zufolge werden bis zu zwei Prozent aller Dissertationen unter tatkräftiger Mitwirkung von Promotionsberatern verfasst. Laut einer dpa-Meldung gehen Experten davon aus, dass sogar etwa jede dritte Doktorarbeit in den Fachbereichen Jura und Wirtschaftswissenschaften von Ghostwritern stammen soll.

“Die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen innerhalb der Universitäten, wie stärkere Einbindung, Kontrolle und Betreuung der Doktoranden oder das Verlangen einer eidesstattlichen Erklärung über die Nichtzusammenarbeit mit einem Promotionsberater reichen nicht aus. Sowohl der Ghostwriter selbst als auch der Blender, der sich mit fremden Federn schmückt, müssen ins Visier genommen werden. Wissenschaftsbetrug ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell”, betonte Kempen.

“Alles schön und gut, aber einen konkreten Formulierungsvorschlag werden die Herren Professoren wieder einmal schuldig geblieben sein” hört man die kritischen …jurabilis!-Leser raunen. Doch weit gefehlt, der DHV liefert den gewünschten Normtext gleich mit:

“(1) Wer eine Qualifikationsarbeit, die der Erlangung eines akademischen Grades oder eines akademischen Titels dient, für einen Dritten verfasst, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Wer eine Qualifikationsarbeit im Sinne von Abs. 1, die von einem Dritten ganz oder teilweise verfasst wurde, als eigene ausgibt, ohne deren Urheber zu sein, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.”

Das Ziel ist aller Ehren (und Anstrengung) wert. Erlaubt sei aber die Frage: welcher Ghostwriter lässt sich nicht eindeutig bestätigen, dass das Produkt seiner Arbeit keinesfalls als Qualifikationsarbeit eingereicht werden wird? Unbeachtliche Schutzbehauptung trotz vertraglicher Bindung des “Kunden”?

Nachtrag: Die Branche schlägt zurück. Die ZEIT hat ein Interview mit Marcel Kopper, einem “Mitinhaber einer Ghostwriting-Agentur” geführt, das online abrufbar ist.

Nachtrag 2: Das Laborjournal online hat neulich einen Artikel über Ghostwriter veröffentlicht.

Nachtrag 3: Auf dradio.de hat man sich des Themas auch vor kurzem angenommen.