Fernseh-Renovierungsformate – Nach der Renovierung kam der Steuerbescheid und dann die Versteigerung des renovierten Familienheims!

Der SPIEGEL berichtet in seiner Ausgabe vom heutigen 14. Januar 2013, Nr. 3, Seite 55:

„Erst kommt der Renovierungstrupp vom Fernsehen – und dann der Brief vom Finanzamt: Bereits mehrere Teilnehmer des RTL-Renovierungsformats „Einsatz in vier Wänden“ mit Tine Wittler bekamen Steuerbescheide ins Haus.“

Die allgemeine Pressemitteilung (hier) weiter:

Der „Spiegel“ schließt daraus, dass Finanzämter offenbar zunehmend davon ausgehen, dass die Verschönerungseinsätze mit Einbauten von Türen, Bädern oder Küchen versteuert werden müssen. Ende vergangenen Jahres sei man erstmals mit dieser neuen Sichtweise der Berliner Finanzverwaltung konfrontiert worden, sagte Marc Lammek, Geschäftsführer der Produktionsfirma MME, dem Magazin. Man befinde sich derzeit im Gespräch mit der Finanzverwaltung.

Verwundern muss einen das nicht. Nachdem der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 24. April 2012 entschieden hatte, dass von

dem Gewinner der Fernsehshow „Big Brother“ ausgezahltes Preisgeld („Projektgewinn“) […] als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG zu besteuern [sind], wenn die Auskehrung des Preisgeldes nach Maßgabe und Durchführung des entgeltlichen (Teilnahme-)Vertrags als Gegenleistung für sein (aktives wie passives) Verhalten während seines Aufenthaltes im „Big-Brother-Haus“ zu beurteilen ist.

Die Finanzverwaltung hat nach Veröffentlichung des Urteils sicherlich mal in den handelsüblichen Fernsehzeitschriften geblättert und nach weiteren passenden Formaten geschaut. Während in den üblichen „Antrittsgeld“-Formaten wie Big Brother, Dschungelcamp oder „Superstars“ mehr oder weniger Cash den Besitzer wechselt und wohl als Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder (s.o.) als sonstige Einkünfte versteuert werden, musste die Finanzverwaltung schon nach sog. „geldwerten Vorteilen“ suchen.

Das die Wahl auf die Einrichtungs- und Renovierungssendungen fiel ist wohl der (augenscheinlich) hohen Werte zu verdanken. Aktuell findet sich bspw. auf RTL2 die Sendung „Zu Hause im Glück“ in der ganze Häuser grundsaniert und neu eingerichtet werden. Das sind schon hohe 5-stellige Beträge im Gegenwert, die den Familien da zu gute kommen, dafür das sie ihr Innerstes (Wohnumstände) nebst einem „Schicksal“ (Behinderungen, Krankheiten o.ä.) ins Fernsehen bringen.

Steuerlich ist diese Handlungsweise der Finanzverwaltung stringent. Nimmt man die Auslegung der Rechtsprechung zu den sonstigen Einkünften und bedenkt man, dass die Finanzverwaltung (gebundene Verwaltung) von Amts wegen tätig werden muss, dann ist es nur folgerichtig, wenn man solche Vorteile auf deren sachliche Steuerpflicht hin überprüft. Wenn schon der Vorteil aus einer Dienstradgewährung besteuert werden soll, dann doch auch die Renovierung einer Bruchbude. Dass die Empfänger der Leistung eine mögliche Steuer nicht adhoc leisten können mag man aus Billigkeitsgründen beachten (ggf. kommt auch ein Erlass in Betracht), aber grundsätzlich der Produktionsfirma zu vertrauen, dass diese nur erlassbedürftigen Steuerpflichtigen etwas zuwendet, darf die Finanzverwaltung auch nicht.

Es fragt sich allerdings, ob die Finanzverwaltung wirklich für bereits erfolgte Renovierungen nun an die Produktionsfirma herangetreten ist (so könnte man den Zusammenhang zwischen erfolgten Festsetzungen und den Gesprächen mit MME werten). Eine Haftung durch RTL & Co wäre nur möglich, wenn es um Arbeitslohn ginge (§ 42d EStG). Allgemeine Haftungsnormen bei einem freien Dienstvertrag (Teilnahme in der Sendung vs. Hausbau) sind nicht ersichtlich. Also geht es wohl eher um informelle Gespräche vorab in Bezug auf künftige Sendungen. Da wird nun die Renovierung in Zukunft schmaler ausfallen, damit sich die Produktionsfirmen zum Ausgleich der Steuer auf den Vorteil verpflichten können. Eine echte Handhabe hätte die Finanzverwaltung sicherlich nicht, nur eben schlechte Publicity für die Sender; ich sehe schon die Schlagzeile: „Nach der Renovierung kam der Steuerbescheid und dann die Versteigerung des renovierten Familienheims.“

Und welche Formate wird die Finanzverwaltung danach aufgreifen? Hier einige Vorschläge:

1. „Die Super Nanny“ – So eine sozialpädagogische Familienhilfe wird doch bestimmt nach offiziellen Stundensätzen vergütet, oder?
2. „Peter Zwegat“ – Auch eine Insolvenz- oder Schuldnerberatung kostet einiges und bietet messbare Vorteile. Oder ist es schädlich, wenn alternativ karitatvie Beratung erhältlich gewesen wäre?
3. „Kochsendungen“, in denen die schlechtgehenden Lokale von Dorfkneipern wieder auf Vordermann gebracht werden. Ok, der Einfluss des TV / Promikochs lässt sich hier schwer messen…
4. „The Swan – endlich schön“: Gerade bei Schönheits-OPs wird der Vorteil leicht messbar sein.
5. …

Weitere Vorschläge werden über die Kommentarfunktion gern entgegen genommen. Ich werde eine sinnvolle Liste gern an die Finanzverwaltung weiterleiten!

7 comments on “Fernseh-Renovierungsformate – Nach der Renovierung kam der Steuerbescheid und dann die Versteigerung des renovierten Familienheims!

  1. – Translationskosten von Auswanderern und Rückkehrern? (ggf. auch übernommene Flugkosten)
    – evtl. auch generell die Produktionskosten, denn diese wurden ja für die „TV-Werbung“ der gerade noch solventen Katastrophenkneipe erbracht…

  2. Prost! on said:

    Bei „the Swan“ könnte die Ersparnis auf evtl. zukünftige Einkünfte aus dem horizontalen Gewerbe aufzuaddieren sein.

  3. lechamp on said:

    Die Finanzverwaltung hat sich damit insgesamt ein ganz neues Kontrollfeld eröffnet. Im neuen Referentenentwurf der Mitteilungsverordnung zu § 93a AO (abrufbar über die BMF-Seite) ist auch vorgesehen, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Auszahlung von Preisgeldern u.ä. anlässlich der Teilnahme an einer Fernsehsendung der Finanzverwaltung mitteilen müssen. In der Begründung heißt es u.a.: Private Rundfunk- und Fernsehsender werden von der Ermächtigungsnorm nicht erfasst. Man kann das fehlende „leider“ förmlich herauslesen…

  4. Johannes on said:

    Vorteile durch Publicitysteigerung von polit. Talkshowgästen, deren Wahlchancenerhöhung und in Folge die Sicherung der Staatsalimentierung.

  5. Zwerschke on said:

    Für mich völliger Schwachsinn, denn der Zuschlag für die Renovierung erfolgt durch Los. Das heißt, die Renovierung ist ein Gewinn und deshalb steuerbefreit. Außerdem ist die Erhebung der Steuer sittenwidrig und deshalb nichtig. Ich denke spätestens EUGH würde Schäubles inhumanen Praktiken ein Ende bereiten.

  6. Kitty on said:

    Dass der Zuschlag zur Sendung „durch Los“ erfolgt und es sich daher um einen Gewinn handelt, halte ich für groben Unfug. Bei solchen Sendungen erhalten grundsätzlich die mit der traurigsten / reisserischsten Geschichte den Zuschlag – eben diejenigen, die sich am besten vermarkten lassen und für Einschaltquoten sorgen. Per Zufallslos wird da sicherlich nichts entschieden, die Sender sind schließlich- man mag es kaum glauben – letztlich nur an einem interessiert – sich selbst.

    Im Endeffekt bekommt man also als Gegenleistung für die Darlegung seiner persönlichen Geschichte im Fersehen eine Hausrenovierung statt einer Gage in (Bar)Geld. mEn fällt das unter § 22 Nr. 3 EStG und ist demgemäß weder sitten- noch rechtswidrig, denn bekannter Maßen schützt Unwissenheit vor Strafe nicht. Das einzig moralisch verwerfliche ist, dass RTL seine Teilnehmer wohl vorab über steuerliche Konsequenzen (wegen angeblicher Unwissenheit) nicht informiert hat – aber wer hätte sich denn dann noch freiwillig zur Verfügung gestellt?

  7. In Deutsch nicht aufgepasst?
    „Das“ & „Dass“ sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
    Kommata sind kostenlos und dürfen gern an den entsprechenden Stellen eingesetzt werden.

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