Die Tücken der modernen Doktoranden-IT …

… beginnen nicht erst bei der gleichzeitigen Verwendung von zahlreichen Disketten, sondern können auch in folgendem Gewande lauern:

Mit Schreiben vom 24. April 2013 erklärte die Klägerin, dass der ihr vorgeworfene Sachverhalt in objektiver Hinsicht zutreffe. Es sei zu keiner Zeit ihre Absicht gewesen, die Prüfungskommission zu täuschen oder zu verbergen, dass sie sich mit Herrn Dr. H… Gedanken auseinandergesetzt und diese in ihrer Arbeit verwertet habe. Sie habe ihn in ihrer Arbeit mehrfach zitiert und seine Arbeit entsprechend im Literaturverzeichnis aufgeführt. Es sei Ausdruck einer Nachlässigkeit, die im Rahmen guten wissenschaftlichen Arbeitens nicht vorkommen dürfe. Indes beruhe diese Übernahme einzig auf einem groben Versehen, der auf einen Computerabsturz zurückzuführen sei. Sie habe zuvor unter anderem Texte wortgetreu herausgeschrieben und sie den Kapiteln zugeordnet, in denen sie sie später habe verwerten wollen. Diese Passagen habe sie farbig unterlegt. Solche Passagen, mit denen sie noch nicht zufrieden gewesen sei, und solche, bei denen sie die Fußnoten noch zu überprüfen gehabt habe, habe sie andersfarbig markiert. Etwa ein oder zwei Monate vor Abgabe der Dissertation sei der Computer kaputt gewesen. Folge der Datenrettung sei gewesen, dass nicht nur sämtliche Formatierungen von dem anschließend benutzten Rechner nicht erkannt worden seien, sondern auch sämtliche Markierungen in der Arbeit nur noch in einer einzigen Farbe erschienen seien. Daraufhin habe sie sämtliche markierte Stellen genau gelesen, Unlogisches überarbeitet und all die Stellen, welche nicht ihren Formulierungen entsprochen hätten, umformuliert, gekürzt und auf ihre Herkunft überprüft. Die Passagen aus der Dissertation von Herrn Dr. H…seien ihr dabei entgangen. Sie vermute, dass sie diese wahrscheinlich wegen des ähnlichen Schreibstils für einen von ihr formulierten Teil gehalten habe.

Das lesenswerte Urteil des VG Berlin vom 8. Juli 2015 (Az. 12 K 423.14) bringt dann aber doch noch eine überraschende Wende:

Der Bescheid [über die Entziehung des Doktorgrades] ist formell rechtswidrig. Das Verfahren zur Entziehung des Doktorgrades ist fehlerhaft durchgeführt worden.

(Herzlichen Dank an Roland Schimmel für den Hinweis auf das Urteil!)

14 comments on “Die Tücken der modernen Doktoranden-IT …

  1. Plagiatorenversteher on said:

    Im Hinblick darauf, dass die Klägerin den Festplatten-Crash durch eine Bestätigung des Datenrettungs-Unternehmens belegen konnte und jedenfalls ausweislich des Urteilstatbestands nur diesen einen vierseitigen Block woanders wörtlich abgeschrieben hatte, könnte es sich hier tatsächlich um einen Fall von scheußlichem Pech handeln (und zugleich um einen Fall, in dem die Titel-Aberkennung unverhältnismäßig erscheint).

    • plagiatorenförderer on said:

      Gut möglich, aber wenig wahrscheinlich: Wer sich die Arbeit näher ansieht, findet außer dem vierseiteigen Block noch mindestens 30 Textseiten mit ungekennzeichneten Übernahmen. Die stilistischen Ähnlichkeiten erfassen nicht nur einen Doktorandenkollegen, sondern ein Dutzend verschiedener Wissenschaftler.

      • Plagiatorenversteher on said:

        Die beklagte Universität hat diese angeblichen Übereinstimmungen (sind die irgendwo dokumentiert?) aber im Titelentzugsbescheid nicht thematisiert, also entweder nicht gefunden oder für irrelevant erachtet.

        • plagiatorenförderer on said:

          Nicht gefunden wäre peinlich für die Universität. Nicht thematisiert könnte aus taktischen Gründen geschehen sein. Um weiteres Material für ein eventuell erforderliches zweites Verfahren in der Hinterhand zu halten. Die Dokumentation könnte diese hier sein: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Sse. Aber sicher ist das nicht.

          • Plagiatorenversteher on said:

            Ach dann tratscht Roland Schimmel alias SleepyHollow02 einmal mehr via LTO seine vroniplag-Kenntnisse in die Welt hinaus. Und kommt leider schon wieder nicht dazu, auch mal selber einen wissenschaftlichen Text zu verfassen. Zu blöd auch. Aber es stimmt natürlich, Frau Sse hat deutlich öfter gesündigt als mit “scheußlichem Pech” erklärt werden kann.

          • Beobachter on said:

            Das ist allerdings sehr interessant. Jetzt muss die FU nur abwarten, bis Roland Schimmel und Team ihr einen wasserdichten Entziehungsbescheid vorbereiten.

        • Beobachter on said:

          Kennt man denn den Bescheid?

          • Plagiatorenversteherverdreher on said:

            Nur soweit er sich aus dem Tatbestand des oben zitierten Urteils rekonstruieren läßt.

  2. Plagiatorenversteher on said:

    Wie ich diese Tratschtanten hasse! Zumal wenn sie keine wissenschaftlichen Texte schreiben. Am schlimmsten finde ich es übrigens, wenn man sie in der Sache selbst nicht anpissen kann. Wie gerne würde ich – aber was soll man machen, wenn sie halt Recht haben?

    • Plagiatorenversteher (der echte) on said:

      Aber Herr Schimmel, jetzt reißen Sie sich mal zusammen. Sie kommen mir langsam vor wie ein Rentner, der sich in dem Wissen, dass er selbst nichts mehr gebacken kriegt, auf das Verpetzen von Falschparkern verlegt. Der hat natürlich auch “Recht”, aber das ist doch trostlos. Sie dagegen sind noch jung, Sie könnten noch selbst etwas schaffen – sooo schwer ist es nun auch wieder nicht, zumindest mal ein Aufsätzchen zu schreiben, auch wenn man bloß FH-Prof ist, echt jetzt! Probieren Sie es, und ich verspreche Ihnen, dass es Ihnen noch mehr Befriedigung verschaffen wird als die schönste mediale Hinrichtung einer vor 10 Jahren mit ihrer Diss. überforderten kleinen Rechtsanwältin.

      • Plagiatorenversteherverdreher on said:

        Das ist ja mal ein pfiffiger Vergleich: Falschparkeraufschreibende Rentner. Wieso ist da eigentlich nicht schon früher einer drauf gekommen?
        Ansonsten: Und selbst? Mittlerweile fertig mit dem großen Schein im Ö-Recht? Dann ist es nicht mehr weit bis zum Examen. Und nach dem zweiten Examen und der Diss betrachten die Großen Sie irgendwann vielleicht als intellektuell satisfaktionsfähig.
        Bis dahin: Keep up the good work – shoot the messenger.

        • Plagiatorenversteher (der echte) on said:

          Na immerhin, wenigstens mutmaßen Sie nicht, ich wäre einer der Studis aus Ihrem Grundkurs Recht im Bachelor-Studiengang Hauswirtschaftslehre und würde Ihnen bloß meinen Misserfolg in der jüngsten Klausur verübeln.

          • Plagiatorenversteherverdreher on said:

            Ich bin sicher, Sie haben Abitur. Und den Rest kriegen Sie auch noch hin. Ist halt ein weiter Weg.

  3. clickmind on said:

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