Kurzrezension Wegerich/Hartung (Hrsg.), Der Rechtsmarkt in Deutschland

Nachdem nun einzelne Kapitel bereits in LTO-Artikel (und damit gleichsam in die juristische Populärkultur) Eingang gefunden haben, ist es höchste Zeit, endlich die bereits viel zu lange im …jurabilis!-Redaktionssystem schlummernde Kurzrezension zum neuen Referenzwerk von Thomas Wegerich und Markus Hartung (Fazbuch) endlich (mutig um weitschweifige referierende Passagen gekürzt) online zu stellen.

Schon das Inhaltsverzeichnis (hier als PDF abrufbar) lässt erahnen, dass hier Expertinnen und Experten zu Wort kommen, die aus Praktikersicht auch Themen beleuchten, zu denen man sonst nur hinter vorgehaltener Hand etwas hört.

Das Buch ist ein Pflichtkauf für alle, die sich mit dem “Unternehmen Rechtsanwaltskanzlei” ernsthaft beschäftigen. Vom ansprechend knapp gehaltenen “Blick zurück” geht es über den “Status quo” direkt in medias res. Besonders spannend für Berufsanfänger oder Bewerber sind gewiss die Kapitel 2.3 und 2.4. Aber auch für diese Zielgruppe der typischen …jurabilis!-Leser ist die Lektüre der übrigen Kapitel sehr lohnend. Für eine weise Entscheidung über die eigene berufliche Zukunft in der Rechtsanwaltschaft ist ein Verständnis des Marktes unerlässlich. Zu diesem Verständnis trägt das vorliegende Werk zweifellos bei.

Fazit: Weihnachtswunschzetteltauglich!

Einer der auszog, der Justiz den Rücken zu kehren, …

… packt nun reichlich ernüchtert gegenüber der Saarbrücker Zeitung aus:

Nach nicht einmal zwei Jahren in seinem Wunschberuf warf David Jungbluth das Handtuch – ernüchtert und desillusioniert. Er berichtet von „amtsanmaßender Ignoranz“ und „respektlosem Umgang“ mit Bediensteten.

Solche offenen Worte findet man bei Justiz-Aussteigern weitaus seltener als bei Großkanzlei-Aussteigern (wobei man fairerweise dazusagen muss, dass man Justiz-Aussteiger überhaupt sehr viel schwerer findet als Großkanzlei-Aussteiger …).

Ausweislich seines Fotos auf der Lehrstuhl-Website fühlt er sich an der Uni Mainz sehr viel wohler.

Nachtrag: ein Kommentator weist darauf hin, dass der im Artikel zitierte Brief von Daniel Jungbluth offenbar unter dem Titel “Die Qualität der Arbeit ist zweitrangig – Erläuterung meines Antrages vom 08.07.2013 auf sofortige Aufhebung meines Dienstverhältnisses als Richter auf Probe” in der Zeitschrift “Betrifft JUSTIZ”, Nr. 117, März 2014, veröffentlicht wurde.

Bachelor of Laws (LL.B. “en passant”) jetzt auch in Potsdam

Nun ist es also soweit – die Juristische Fakultät der Universität Potsdam hat den im Zuge der unseligen Schließungsdebatte (…jurabilis! berichtete mehrfach, siehe etwa hier und hier) verfestigten Plan zur Einführung eines LL.B.-Grades umgesetzt. Eine eigene Informationsseite führt dazu aus:

Zum Wintersemester 2013 / 2014 ist es möglich, den grundständigen Studiengang Rechtswissenschaft (Erste juristische Prüfung) mit einem integrierten Bachelorstudiengang zu beginnen. Dieser allgemeinbildende juristische Bachelorstudiengang wird mit dem Abschluss Bachelor of Laws (LL. B.) beendet.

I. Warum ein LL. B.?
Die klassische Juristenausbildung zum Volljuristen zielt vor allem auf die „Befähigung zum Richteramt“ und auf den Anwaltsberuf ab, obwohl das nicht alle Jurastudentinnen und Jurastudenten anstreben. Auch Wirtschaft und Industrie verlangen nach gut ausgebildeten Juristen, die sich früh in der Praxis betätigen und spezialisieren wollen. Bereits nach dem 6. Semester kann mit dem LL. B. nun ein erster berufsqualifizierender Abschluss erfolgen. Die Weiterqualifikation ist im klassischen Staatsexamensstudiengang oder durch einen Masterstudiengang/Magisterstudiengang, der zum Master of Laws/Magister Legum führt, im In- oder Ausland möglich. Der Weg zum klassischen Volljuristen steht den Studierenden nach der 1. Juristischen Prüfung und dem Referendariat offen. Man kann in Potsdam also wie bisher allein die 1. Juristische Prüfung anstreben, diese mit einem LL.B.-Abschluss kombinieren und nach Erreichen des LL.B. die Universität verlassen bzw. einen Masterabschluss anschließen. Das Motto ist nicht „entweder – oder“, sondern „sowohl – als auch“!

Mit einem solchen Modell hat man ja an der Bucerius Law School in Hamburg offenbar sehr gute Erfahrungen gemacht.

P.S.: Aufgemerkt bei der Studienplanung, liebe Studenten:

Wer die 1. Juristische Prüfung endgültig nicht bestanden hat, kann den LL. B. an der Uni Potsdam nicht erwerben. Wer nach dem Erwerb des LL. B. die Erste juristische Prüfung endgültig nicht bestanden hat, behält den LL. B.

Forum Junges Baurecht – Auftaktveranstaltung am 07.11.2013

Vor kurzem hat sich in der Deutschen Gesellschaft für Baurecht e.V. der Arbeitskreis „Forum Junges Baurecht“ gegründet. Unser Ziel ist es, in ungezwungener Atmosphäre ein Forum zum Networken für junge Baupraktiker zu bieten und den interdisziplinären Austausch über typische Probleme von Berufsanfängern im Bereich des Baurechts und den angrenzenden Rechtsgebieten zu fördern.

Im Fokus steht dabei einerseits eine „erweiterte Ausbildung“ auf Veranstaltungen zur Vermittlung von Grundlagen, etwa zu bauprozessualen Fragen aber auch zu Fragen der Baupraxis (etwa Technik, Betriebswirtschaft), die für das Verständnis des Baurechts insgesamt von Bedeutung sind. Durch den Austausch von jungen Juristen, Technikern, Architekten, Ingenieuren und Betriebswirtschaftlern über diese Themen soll das Verständnis untereinander und der Gesamtblick auf die Materien Bauen und Baurecht verbessert werden, denn am Ende des Tages hat das Baurecht keinen Selbstzweck, sondern nur dienende Funktion: Im Vordergrund steht die Errichtung von Bauwerken. Aus diesem Grund sind auch gerade Nichtjuristen im Forum herzlich willkommen!

Andererseits wollen wir den Anliegen unserer Generation auf verschiedenen Ebenen Gehör verschaffen und uns gemeinsam bei der Deutschen Gesellschaft für Baurecht e.V. und weiteren Vereinigungen einbringen.

Alle Interessenten sind aufgerufen, aktiv an der Gestaltung des Forums mitzuwirken. Zum schnellen und unkomplizierten Networken und zum Austausch von Informationen wurde eine Gruppe bei XING eingerichtet. Mehr Informationen sind auch hier zu finden. Neben geplanten regionalen Treffen (Stammtische o.ä.) ist zunächst am 07.11.2013 als Auftaktveranstaltung eine Vortragsveranstaltung in Frankfurt am Main geplant. Entsprechend der Zielrichtung des Forums soll – anders als bei “klassischen” Vortragsveranstaltungen – die Interaktion mit und unter den Teilnehmern im Mittelpunkt stehen, bei der in einer ungezwungenen Atmosphäre Fragen gestellt, gemeinsame Probleme identifiziert und Lösungen diskutiert werden sollen.

Die Teilnehmer erhalten einen Fortbildungsnachweis über 4 Stunden gem. § 15 FAO (FA Bau- und Architektenrecht).

Referenten:
– Prof. Dr.-Ing. Markus Kattenbusch (FH Bochum) – “Einführung in die Grundlagen des Baubetriebs und der Bautechnik”
– Ulrich Schröder (Richter am OLG Frankfurt am Main) – “Besonderheiten im Baupozess”

Wann:
07.11.2013, ab 13:00 Uhr

Wo:
Park Inn by Radisson Frankfurt Airport

Mehr Informationen und Anmeldung hier

Wir freuen uns über zahlreiche Beteiligung!

Wackerbarth und die “Großkanzleilyrik”

Nach scharfer Kritik an einem Aufsatz zur Reform der Aktionärsklage (Rechtsanwalt Dr. Tobias Kahnert, AG 2013, 663 ff., zum Autor vgl. dieses sympathische Porträt) wird Professor Dr. Ulrich Wackerbarth (Fernuni Hagen) in einem Beitrag im “Corporate BLawG” grundsätzlich und lässt die Leser unmissverständlich wissen, was er von Rechtsanwälten aus Großkanzlei hält, die an der rechtswissenschaftlichen Debatte teilnehmen:

So oder so ähnlich sieht ein typischer interessegeleiteter Aufsatz aus, der von Rechtsanwälten aus Großkanzleien geschrieben wird. Dabei handelt sich in aller Regel um eine bloße – auch noch schlecht begründete – Meinungsäußerung, mit der der status quo gesichert werden soll. Ein Bemühen um Abwägung, um Auseinandersetzung mit abweichenden Auffassungen findet nicht statt; dafür enthält eine solche Stellungnahme manch unhaltbare Behauptung, Nebelkerzen oder gar widersprüchliche Ergebnisse. Diese Beiträge sind zwar für die Suche nach Erkenntnis wertlos, werden gleichwohl von der Rechtsprechung zitiert und bleiben damit keinesfalls einflusslos. Gerade im Bereich des Gesellschaftsrechts sind sie Legion und machen Meinung.

Wie nun umgehen mit diesen derart wertlosen Debattenbeiträgen aus unberufener Feder?

Als Gesetzgeber sollte man Großkanzleilyrik bei anstehenden Reformen aus den folgenden drei Gründen am besten vollständig außer Acht lassen:

- Wir sind gespannt! -

a) Rechtsanwälten aus Großkanzleien fehlt jedes Interesse an rechtssicherem Recht. Sie suchen zwar für ihre Mandanten nach einer wasserdichten Lösung im Einzelfall. Rechtssicheres Recht hingegen führte nur zu weniger Streit und damit zu weniger Umsatz. Und welcher Rechtsanwalt wollte das schon?

Das erscheint mir eine reichlich naive Sicht auf den Rechtsberatungsmarkt zu sein. Ist Deutschland gegenwärtig ein Hort der allüberall grassierenden Rechtsunsicherheit, die den Großkanzleien die Umsätze in die Arme treibt?

b) Reformen sind mit Rechtsanwälten aus Großkanzleien allenfalls in kleinen Häppchen zu machen. Sie kennen das geltende Recht wie ihre Westentasche und haben eine Menge Lebenszeit investiert, um es so zu beherrschen wie sie es tun. Reformen gefährden diese Investition und sind daher stets besorgniserregend.

Was ist mit der Gegenthese, dass gesetzgeberische Reformen häufig Beratungsbedarf auslösen, der sich auch einleuchtend kommunizieren lässt?

Schließlich:

c) Rechtsanwälte aus Großkanzleien beraten in aller Regel nicht Anleger sondern Unternehmen. Deshalb reden sie auch in erster Linie mit den Geschäftsleitern und Organen dieser Unternehmen und neigen dazu, die Sicht der Manager besser zu verstehen als die der Anleger. Und damit sind ihre rechtspolitischen Vorschläge in aller Regel nicht unabhängig und damit unbrauchbar.

Schon die Grundannahme irritiert. Davon abgesehen: Reformvorschläge von Anlegerschutzanwälten wären demnach “unabhängig” und damit nicht “unbrauchbar”?

Was meint die Leserschaft zu diesen meinungsfreudigen Thesen?

Kurzrezension: Catherine Jelena Klein, Haftung von Social-Sharing-Plattformen, München 2012

In MMR-Aktuell 2013, 349750 (Heft 8/2013) (online abrufbar) findet sich eine Rezension der lesenswerten Dissertation von Catherine Jelena Klein, die unter dem Titel “Haftung von Social-Sharing-Plattformen – Diensteanbieter zwischen Content- und Host-Providing” im Verlag C.H.Beck erschienen ist.

Primi inter pares

Unsere Welt verändert sich. Das gilt selbstverständlich auch für die sonst eher behäbige Welt der höheren (Aus-)Bildung. Und solcherlei Veränderungen strahlen dann bisweilen selbst in die vermeintlich konservativsten, langweiligsten Winkel der Wissenschaftskommunikation, die “Autorenfußnoten”. Da heißt es dann bei NVwZ 2013, 1202 (“Renaissance der Monoedukation?”) in bemerkenswerter Abgeklärtheit:

Die Verf. sind Absolventen der Bucerius Law School in Hamburg. Der Autor Butler ist Mitarbeiter am Lehrstuhl von Professor Dr. Birgit Weitemeyer an der Bucerius Law School. Der Autor Lassahn ist seit September Mitarbeiter bei Professor Dr. Ralf Poscher an der Universität Freiburg. [...]”

(Hervorhebung in fett nur hier)

Ist das nun ein allgemeiner Trend zur Angabe der alma mater in Autorenfußnoten, der der …jurabilis!-Redaktion bisher verborgen geblieben war, oder ist das geschicktes “brand placement” des deutschen Efeus (siehe hierzu diesen Beitrag von Christoph Luschin im Southwestern Journal of International Law)?