Kurzrezension Wegerich/Hartung (Hrsg.), Der Rechtsmarkt in Deutschland

Nachdem nun einzelne Kapitel bereits in LTO-Artikel (und damit gleichsam in die juristische Populärkultur) Eingang gefunden haben, ist es höchste Zeit, endlich die bereits viel zu lange im …jurabilis!-Redaktionssystem schlummernde Kurzrezension zum neuen Referenzwerk von Thomas Wegerich und Markus Hartung (Fazbuch) endlich (mutig um weitschweifige referierende Passagen gekürzt) online zu stellen.

Schon das Inhaltsverzeichnis (hier als PDF abrufbar) lässt erahnen, dass hier Expertinnen und Experten zu Wort kommen, die aus Praktikersicht auch Themen beleuchten, zu denen man sonst nur hinter vorgehaltener Hand etwas hört.

Das Buch ist ein Pflichtkauf für alle, die sich mit dem “Unternehmen Rechtsanwaltskanzlei” ernsthaft beschäftigen. Vom ansprechend knapp gehaltenen “Blick zurück” geht es über den “Status quo” direkt in medias res. Besonders spannend für Berufsanfänger oder Bewerber sind gewiss die Kapitel 2.3 und 2.4. Aber auch für diese Zielgruppe der typischen …jurabilis!-Leser ist die Lektüre der übrigen Kapitel sehr lohnend. Für eine weise Entscheidung über die eigene berufliche Zukunft in der Rechtsanwaltschaft ist ein Verständnis des Marktes unerlässlich. Zu diesem Verständnis trägt das vorliegende Werk zweifellos bei.

Fazit: Weihnachtswunschzetteltauglich!

JUVE Awards 2013: Die Nominierungen stehen fest

JUVE hat die Nominierungen für die diesjährige Ausgabe der “JUVE AWARDS” veröffentlicht. Dabei gibt es einige Neuerungen:

In diesem Jahr kommt eine neue Kategorie hinzu: Zum ersten Mal verleiht der JUVE Verlag einen Award für die Kanzlei des Jahres Österreich. Eine weitere Kategorie kommt in einem neuen Gewand daher: Die Kanzlei des Jahres für Medien heißt zukünftig Kanzlei des Jahres für Medien und Technologie. Technologische Themen wie Datenschutz, die schon länger für die Nominierung in dieser Kategorie eine wichtige Rolle spielen, gewinnen in der Medienbranche zunehmend an Bedeutung. Der neue Name soll dieser Entwicklung nun noch besser Rechnung tragen als bisher.

Künftig werden in 15 statt wie bisher 14 Preiskategorien jeweils fünf Kanzleien nominiert. In weiteren 3 Preiskategorien nominiert die JUVE Redaktion jeweils 5 Inhouse-Teams für ihre Leistungen.
Eine Übersicht aller Kategorien finden Sie in der nebenstehenden Box unter „Preiskategorien“.

Die diesjährige Preisverleihung, bei der die Sieger bekanntgegeben werden, findet am 23. Oktober 2013 in der Alten Oper in Frankfurt statt.

Ehemaliger McDermott Partner verliert Anwaltszulassung wegen paar Erdnüsschen

Das ABAJournal berichtet:

An Illinois lawyer has been disbarred by the state supreme court for misrepresenting his income on his child’s private school financial aid applications, in order to qualify for $22,830 in assistance over an approximately four-year period. […] providing falsified copies of his tax returns to the Francis W. Parker School in Chicago, […] Paul Golden […] worked for more than 20 years at McDermott Will & Emery.

Der Hauptakteur war allerdings schon 21 Jahre nicht mehr bei McDermott, wie man hier erfahren kann:

The appellant, Bruce Golden, is a securities lawyer who worked for the appellee law firm McDermott, Will & Emery (MWE) for 21 years.   He joined the firm in 1970, was made an income partner in 1976 and was made a capital partner in 1981.   Among the clients he brought to MWE were a public real estate syndicator known as Avanti Associates (Avanti), and its promoter, Timothy Sasak.

In 1989, a class action suit (the Avanti suit) was brought against Sasak and Avanti for, among other things, violation of securities laws in the sale of its partnership assets.   MWE was also named as a defendant.   The plaintiffs sought to recover $120 million from MWE.

Merke: Bei Geld, da hört die Freundschaft auf. Insoweit war auch die Entlassung aus der Anwaltschaft nur folgerichtig, auch wenn es hier nur um vergleichsweise Erdnüsschen ging. Supreme Court of Illinois:

The petition by respondent Bruce Paul Golden for leave to file exceptions to the report and recommendation of the Review Board is denied. Respondent is disbarred, as recommended by the Review Board.

Das Leben ist hart!

Follower-Kauf durch Anwaltskanzleien als Werbemittel?

Der Kollege Schwenke hat bereits umfassend zu den rechtlichen Aspekten des Like-, Freunde- und Followerkaufs geschrieben. Nunmehr hat es nach einem Bericht von Legalcheek eine mittlere UK Kanzlei (Blavo & Co Solicitors) erwischt. Sie schrieben wohl im eigenen Newsletter

“excited and delighted by our 43,000+ Twitter followers who continue to enhance the way we communicate and exchanged ideas through social media.”

Im Schnitt täglich 381 neue Follower auf dem Twitteraccount ist nun wirklich eher ungewöhnlich. Das schaffen nur Promis in den ersten Tagen bei Twitter (Boris Becker, Olli Kahn).

Ich bin gespannt, wie die Sache ausgeht. Immerhin besteht ja auch die Möglichkeit der billigen Rufschädigung durch solche Aktionen: 10.000 SPAM-Follower für wenig Geld der Konkurrenz auf den Hals den Account hetzen… Ein unschönes Geschäftsmodell!

Österreichisch-Deutsches Missverständnis …

… unter Blawgern!

Der Kollege Dworschak schreibt im Blog “Einspruch! – Das Blog für Recht, Marketing und News aus der Anwaltswelt” zur Anwaltsausbildung den Beitrag “Nichts zu lachen?”

In einer ex-post Betrachtung kommt er zu folgenden Schlußfolgerungen:

Das teilweise gnadenlose „Selektieren“ nimmt vielen den Mut. Wenn bei einer Klausur 94 Prozent der Angetretenen negativ beurteilt werden stellt sich schon die Frage, ob die studentische Dummheit derart fortgeschritten ist oder ob hier eventuell andere dunkle Kräfte walten. […]
Hat sich die Studentin/der Student durch den rauen Selektionsapparat der Ausbildung gekämpft, steht er oft ratlos vor einem Gebilde namens „Markt“. In den langen harten Jahren des Memorierens (nicht Lernens!) hat sie/er nur in Ausnahmefällen die Muße gefunden, ein „Lieblingsgebiet“ zu entdecken, auf das zu konzentrieren es sich lohnte.
Erst dann beginnt das richtige Lernen. Die junge Anwältin/der junge Anwalt stellt erst einmal fest, dass die irgendwann erträumte Warteschlange draußen vor der neuen Kanzlei fehlt.
Dafür sieht sie/er reichlich Konkurrenz, die einiges schon viel besser kann.

Aha! Harte Thesen! Deshalb kommentiert auch gleich Kollege Müller von “Kanzlei und Recht” dagegen. In der Sache auch völlig zu Recht, nur ist der Kollege Müller hier einem Auslandsberichterstatter aufgesessen! Der Kollege Dworschak berichtet nämlich (unter DE Domain) wohl von der österreichischen Juristenausbildung (vgl. dessen Profil).

Hier wäre zu beachten, dass in Österreich kein Staatsexamen den ersten Abschluss bringt, vielmehr sind wohl Prüfungen fortwährend des gesamten Studiums zu erbringen. Ferner dauert der “Vorbereitungsdienst” in Österreich grundsätzlich fünf Jahre (§ 2 Abs. 2 öRechtsanwaltsordnung).

Die Kritik kann somit nicht 1:1 auf die hiesige Situation übertragen werden! Sicherlich nur ein Missverständnis des Kollegen Müller, weil er den Ursprung des Beitrags nicht beachtet hat… Zugegeben, ich wollte natürlich am Anfang in dieselbe Kerbe schlagen und dem Ursprungsartikel Kontra geben. Zur Lage in Österreich kann ich allerdings nur HS*-Wissen bzw. Infos vom FeF* liefern.

*) Hörensagen / Freund eines Freund

Dewey & LeBoeuf Files for Bankruptcy


Dewey & LeBoeuf, the law firm crippled by financial miscues and partner defections, filed for bankruptcy on Monday night, punctuating the largest law firm collapse in United States history.

Und wieder eine Elefantenhochzeit die nun endgültig gescheitert ist … Unglaublich. Mehr zu den Hintergründen bei abovethelaw.com!

Berliner CDU-Fraktionschef will Doktorgrad abgeben

Die Uni Potsdam berichtet:

Bei der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam ist heute von Dr. Florian Graf die Entziehung seines Doktortitels beantragt worden. Herr Graf hatte an der Universität Potsdam im Jahr 2010 mit einer Dissertation zum Thema „Das innerparteiliche Bild von Oppositionsparteien nach dem abrupten Verlust langjähriger Regierungsverantwortung am Beispiel der Christlich Demokratischen Union (CDU) in der Hauptstadt Berlin während der 15. Wahlperiode (2001-2006)“ als externer Doktorand promoviert. Der Promotionsausschuss der Fakultät wird am 2. Mai 2012 beraten und über den Antrag entscheiden.

Vorausgegangen war dem am 24. bzw. 25 April 2012 die Überprüfung und Aufhebung einer Sperrfrist für die Veröffentlichung der Dissertation durch die Vorsitzende des Promotionsausschusses und Dekanin der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Prof. Dr. Theresa Wobbe. Nachdem Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität der Dissertation aufgekommen waren, hat die Dekanin den Qualitätsrichtlinien der Universität entsprechend eine Prüfung der Dissertation veranlasst. Daraus ergab sich ein Plagiatsverdacht, zu dem Dr. Graf um Stellungnahme gebeten wurde. Daraufhin stellte er heute den Antrag auf Entziehung des Doktorgrades.

Die Erklärung des Herrn Doktor im Wortlaut hat der Tagesspiegel hier hochgeladen

EDIT: Da Herr Graf einer der wenigen FH Absolventen überhaupt war, der ein Promotionsvorhaben an einer Universität beginnen konnte, wird der Fall wohl für sämtliche zukünftigen Absolventen von

Fachhochschulen

Hochschulen der Auslöser für noch mehr Gegenwind sein. Gerade solche Beispiele geben “den Widerständlern” von der Uni neuen frischen Wind (vulgo: an der FH lernt man kein wissenschaftliches Arbeiten) in die Segel.