Kurzrezension Wegerich/Hartung (Hrsg.), Der Rechtsmarkt in Deutschland

Nachdem nun einzelne Kapitel bereits in LTO-Artikel (und damit gleichsam in die juristische Populärkultur) Eingang gefunden haben, ist es höchste Zeit, endlich die bereits viel zu lange im …jurabilis!-Redaktionssystem schlummernde Kurzrezension zum neuen Referenzwerk von Thomas Wegerich und Markus Hartung (Fazbuch) endlich (mutig um weitschweifige referierende Passagen gekürzt) online zu stellen.

Schon das Inhaltsverzeichnis (hier als PDF abrufbar) lässt erahnen, dass hier Expertinnen und Experten zu Wort kommen, die aus Praktikersicht auch Themen beleuchten, zu denen man sonst nur hinter vorgehaltener Hand etwas hört.

Das Buch ist ein Pflichtkauf für alle, die sich mit dem „Unternehmen Rechtsanwaltskanzlei“ ernsthaft beschäftigen. Vom ansprechend knapp gehaltenen „Blick zurück“ geht es über den „Status quo“ direkt in medias res. Besonders spannend für Berufsanfänger oder Bewerber sind gewiss die Kapitel 2.3 und 2.4. Aber auch für diese Zielgruppe der typischen …jurabilis!-Leser ist die Lektüre der übrigen Kapitel sehr lohnend. Für eine weise Entscheidung über die eigene berufliche Zukunft in der Rechtsanwaltschaft ist ein Verständnis des Marktes unerlässlich. Zu diesem Verständnis trägt das vorliegende Werk zweifellos bei.

Fazit: Weihnachtswunschzetteltauglich!

Einer der auszog, der Justiz den Rücken zu kehren, …

… packt nun reichlich ernüchtert gegenüber der Saarbrücker Zeitung aus:

Nach nicht einmal zwei Jahren in seinem Wunschberuf warf David Jungbluth das Handtuch – ernüchtert und desillusioniert. Er berichtet von „amtsanmaßender Ignoranz“ und „respektlosem Umgang“ mit Bediensteten.

Solche offenen Worte findet man bei Justiz-Aussteigern weitaus seltener als bei Großkanzlei-Aussteigern (wobei man fairerweise dazusagen muss, dass man Justiz-Aussteiger überhaupt sehr viel schwerer findet als Großkanzlei-Aussteiger …).

Ausweislich seines Fotos auf der Lehrstuhl-Website fühlt er sich an der Uni Mainz sehr viel wohler.

Nachtrag: ein Kommentator weist darauf hin, dass der im Artikel zitierte Brief von Daniel Jungbluth offenbar unter dem Titel „Die Qualität der Arbeit ist zweitrangig – Erläuterung meines Antrages vom 08.07.2013 auf sofortige Aufhebung meines Dienstverhältnisses als Richter auf Probe“ in der Zeitschrift „Betrifft JUSTIZ“, Nr. 117, März 2014, veröffentlicht wurde.

Bachelor of Laws (LL.B. „en passant“) jetzt auch in Potsdam

Nun ist es also soweit – die Juristische Fakultät der Universität Potsdam hat den im Zuge der unseligen Schließungsdebatte (…jurabilis! berichtete mehrfach, siehe etwa hier und hier) verfestigten Plan zur Einführung eines LL.B.-Grades umgesetzt. Eine eigene Informationsseite führt dazu aus:

Zum Wintersemester 2013 / 2014 ist es möglich, den grundständigen Studiengang Rechtswissenschaft (Erste juristische Prüfung) mit einem integrierten Bachelorstudiengang zu beginnen. Dieser allgemeinbildende juristische Bachelorstudiengang wird mit dem Abschluss Bachelor of Laws (LL. B.) beendet.

I. Warum ein LL. B.?
Die klassische Juristenausbildung zum Volljuristen zielt vor allem auf die „Befähigung zum Richteramt“ und auf den Anwaltsberuf ab, obwohl das nicht alle Jurastudentinnen und Jurastudenten anstreben. Auch Wirtschaft und Industrie verlangen nach gut ausgebildeten Juristen, die sich früh in der Praxis betätigen und spezialisieren wollen. Bereits nach dem 6. Semester kann mit dem LL. B. nun ein erster berufsqualifizierender Abschluss erfolgen. Die Weiterqualifikation ist im klassischen Staatsexamensstudiengang oder durch einen Masterstudiengang/Magisterstudiengang, der zum Master of Laws/Magister Legum führt, im In- oder Ausland möglich. Der Weg zum klassischen Volljuristen steht den Studierenden nach der 1. Juristischen Prüfung und dem Referendariat offen. Man kann in Potsdam also wie bisher allein die 1. Juristische Prüfung anstreben, diese mit einem LL.B.-Abschluss kombinieren und nach Erreichen des LL.B. die Universität verlassen bzw. einen Masterabschluss anschließen. Das Motto ist nicht „entweder – oder“, sondern „sowohl – als auch“!

Mit einem solchen Modell hat man ja an der Bucerius Law School in Hamburg offenbar sehr gute Erfahrungen gemacht.

P.S.: Aufgemerkt bei der Studienplanung, liebe Studenten:

Wer die 1. Juristische Prüfung endgültig nicht bestanden hat, kann den LL. B. an der Uni Potsdam nicht erwerben. Wer nach dem Erwerb des LL. B. die Erste juristische Prüfung endgültig nicht bestanden hat, behält den LL. B.

Ratgeber Jurastudium von RA H. (Berlin) – Wie man es nicht machen sollte!

Nachtrag vom 3. Januar 2013: Herr Rechtsanwalt H. hat mich nunmehr darauf aufmerksam gemacht, dass der Ratgeber gelöscht wurde. Die weiteren Ausführungen sind deshalb unter der Maßgabe zu lesen, dass Herr H. an den Ausführungen selbst nicht mehr festhält. Ich habe deshalb seinen Namen aus dem Blogpost entfernt.

 

Herr Rechtsanwalt H. (Berlin) hat auf seiner eigenen Internetseite einige „Ratgeber“ publiziert. Darunter auch den folgenden:

Das Jurastudium
Wie studiere ich Jura? Ein Ratgeber zum Jurastudium für Studenten der Rechtswissenschaften

Als Lehrbeauftragter der juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin horche ich bei solchen Beiträgen natürlich auf. Um ein Ergebnis vorweg zu nehmen: Nein Herr Kollege H., dieser „Ratgeber“ hat nicht das Prädikat „empfehlenswert“ verdient! Er ist in weiten Teilen sogar gefährlich, weil der Autor im Grundtenor dem Studium jede Wissenschaftlichkeit austreiben will. Studenten sollen zu Falllösungsmaschinen werden und so ihr Examen meistern. Nur in wenigen Punkten ist dem Autor zuzustimmen.

Meine Anmerkungen erfolgen auch gerade in Kenntnis des Studiums und der Anforderungen an heutige Studenten, aber auch in Angst um den Verlust des letzten Funken Wissenschaftlichkeit des Studiums aus purer Examensfixiertheit (vgl. nur die Beiträge auf …jurabilis! hier und hier).

Zu Beginn versucht der Autor die Schwierigkeit des Studiums plastisch zu machen:

Gerade zu Beginn des Jurastudiums fühlt sich der neu eingestiegene Jurastudent von der übermäßig hohen Stofffülle geradezu erschlagen. […] Jeder Professor empfiehlt für sein Fachgebiet mehrere Lehrbücher, in der Regel ein oder zwei sehr umfangreiche Werke, und ein paar mit geringerer Seitenanzahl. […] Jedes einzelne Jura-Fachbuch kann dabei einen Umfang von 500 bis 700 Seiten haben, […]. Doch auch die kleineren Einstiegsbücher bzw. Grundlagenwerke haben bereist einen Seitenumfang von ca. 300 Seiten. […] Nun beginnt das Problem, das den Jurastudenten bis an sein Studiumsende begleiten wird: Der kaum zu bewältigende Stoffumfang. Betrachten wir einmal, welches Wissen sich der Student bis zum Ende seines Jurastudiums aneignen sollte: Ich habe in Bayern studiert, und hier mussten bis zum ersten Staatsexamen ca. 30 Rechtsgebiete gelernt und beherrscht werden. Kauft man nun zu jedem einzelnen Rechtsgebiet ein umfangreiches Standardwerk mit beispielsweise 500 Seiten, so wären alleine durch das Bücherstudium 15.000 Seiten zu bewältigen. Selbst bei einer Beschränkung auf die kleineren Grundlagenbücher mit 300 Seiten käme man immer noch auf 9.000 Seiten.
Dabei ist ein einmaliges Lesen nicht ausreichend, um den Stoff zu verinnerlichen. Ein immer wiederkehrendes Lesen und Lernen wäre notwendig, um diese Seitenzahlen in seinem Kopf zu verankern. Und das in acht Semestern, falls die Entscheidung für eine frühzeitige Examensteilnahme gefallen ist (Stichwort: „Freischuss“). Zu all diesen Buchseiten kommen die Vorlesungen hinzu, die Fallübungen, die juristischen Hausarbeiten, Praktika etc. Schon hier wird deutlich, dass diese Vorgehensweise als schwierig erscheint.

Die 30 Rechtsgebiete habe ich nun nicht im Detail überprüft. Die Seitenzahlen je Buch sind zwar schon richtig, allerdings wohl nicht entscheidungserheblich (gleich mehr). Aber selbst die These des Autors, wonach 15.000 Seiten beängstigend sind, ist wohl etwas übertrieben (ganz davon abgesehen, dass Studenten in anderen Staaten ein viel höheres Lesepensum haben). Nehmen wir einfach den angegebenen Stoff für 6 Semester (bei einem Jahr Wiederholung vor dem Examen): Also ca. 5.000 Seiten pro Jahr bzw. bei etwas Urlaub, Hausarbeiten und Praktika wohl ca. 500 Seiten im Monat bzw. ca. 100-150 Seiten in der Woche. Skandal! Das ist ja unglaublich, da soll der gemeine Jurastudent also 20-30 Seiten am Tag lesen? Wenn das schon zuviel sein soll? Ich finde den Umfang (reine Seitenzahl) eher noch zu kurz gegriffen. Man sollte nicht vergessen, dass das juristische Studium nun einmal ein geisteswissenschaftliches Studium ist und „Texte“ (i.w.S.) der Dreh- und Angelpunkt des Studiums sind. 20-30 Seiten eines Romans liest man in einer Stunde „runter“. Bei einem Lehrbuch mag man vielleicht 2-3 Stunden veranschlagen (wenn nebenbei im Gesetz blättert).

Weiter gehts:

[…] Das juristische Examen ist so angelegt, dass das gesamte im Jurastudium erworbene Wissen bis zum Staatsexamen präsent sein muss. Das heißt, der Jurastudent muss alles, was er in den vier Jahren seines Studiums an Wissen erworben hat, im Examen abrufbereit im Kopf haben. Es finden keine Zwischenprüfungen statt, nach deren Bestehen der Jurastudent das dort geäußerte Wissen einfach vergessen darf […]. Nein, er muss alles dauerhaft abspeichern und immer wieder wiedergeben können. Sonst hat er im Staatsexamen verloren. Aus diesem Grund erscheint es sinnvoll, die im Jurastudium abgehandelten einzelnen Rechtsgebiete kurz vor dem juristischen Examen noch einmal zu wiederholen. Doch wie soll man so viel Jura wiederholen können? Gönnt man sich für jedes einzelne Rechtsgebiet eine Woche zur Wiederholung, so kommt man bei 30 Rechtsgebieten auf eine Wochenanzahl von 30 Wochen. Alleine diese Wiederholungszeit würde schon beinahe sieben Monate in Anspruch nehmen.

Ja, das ist richtig. Eine „Abschichtung“ bringt jedoch nun der Schwerpunkt. Hier kann man immerhin 30% (Notengewichtung) in der Regel im 5.-6. Semester lernen, abprüfen lassen und vergessen (so man dies als wichtig empfindet!!!). Aber was ist an einer Wiederholung von 30 Wochen nun falsch? Ob mit oder ohne Rep: Man bekommt/erstellt einen Lehrplan, gewichtet ggf. zu wiederholende oder neu zu erlernden Gebiete nach eigenen Kenntnisse und Lücken und hat dann ca. 6 Monate nur für Wiederholung des Stoffes aus den ersten Semestern.

Nun kann mir jeder Jurastudent beipflichten, dass eine einzige Woche für viele Rechtsgebiete als Wiederholungszeit nicht ausreicht. Sinnvoller wären zwei bis drei Wochen Wiederholungszeit je Fachgebiet. Besser ist ein ganzer Monat. Dann wären wir bei einer Wiederholungszeit zwischen 14 und 30 Monaten.

Nein, da kann ich nur ernsthaft widersprechen! [EDIT: vgl. mein Kommentar vom 28.11.] Wenn man es in den ersten 6 Semestern geschafft hat jeden Tag seine 20-30 Seiten zu lesen (zum Pensum s.o.), an Arbeitsgemeinschaften/Übungen teilgenommen und auch Klausuren bestanden hat, dann reicht für eine reine Wiederholung ein halbes Jahr. Diese Ansicht des Autors wird deutlich, wenn man den folgenden Teil liest:

Worauf kommt es im juristischen Examen tatsächlich an?
[…] es müssen keine auswendig gelernten Lehrmeinungen niedergeschrieben werden, sondern es ist aktiv ein ganz konkreter Fall zu lösen. Alleine mit dem Gesetzbuch muss der Student den Examensfall lösen können. Auf theoretisches Wissen kommt es dabei nicht an. Innerhalb von fünf Stunden muss der Jurastudent versuchen, den ihm vorgelegten Sachverhalt zu analysieren und anhand des Gesetzes zu einer korrekten Lösung zu bringen.

Dabei können die tausende von Buchseiten, die sich in den juristischen Lehrbüchern finden, nicht helfen. Der Examenskandidat muss vielmehr wissen, wo die entscheidenden Stellen im Fall sind, und wie diese anhand des Gesetzestextes rechtlich zu behandeln sind.

Es zeigt sich, dass damit eine erhebliche Diskrepanz zwischen der im universitären Jurastudium empfohlenen Vorgehensweise (Lesen von Fachbüchern) und der Examensrealität (Lösen eines rechtlichen Falls) herrscht.

Und hier [EDIT: vgl. mein Kommentar vom 28.11.]  wird m.E. „Methodenlehre“ gleichgesetzt mit Gutachtenstil oder Subsumtionstechnik! Natürlich geht es bei der Lektüre von Lehrbüchern nicht um auswendig gelernte Lehrmeinungen! Es geht um Problembewusstsein und Systemverständnis. Das positive Gesetz ist zwingend unvollständig. Die Gesetze nach dem hiesigen Verständnis von Gewaltenteilung können und sollen nicht alle Kasuistik abbilden. Soweit auslegungsbedürftige Normen anzuwenden sind, ist es natürlich von entscheidender Wichtigkeit zu wissen, wie diese Norm verstanden wird. Das ist nicht nur in „exotischen“ Rechtsgebieten wie Steuer- oder Arbeitsrecht so. Nein, schon bei den Grundrechten oder dem Europarecht wird man mit dem reinen Normtext schnell an seine Grenzen stoßen.

Nehmen wir bspw. das „sonstige Recht“ nach § 823 Abs. 1 BGB. Hier kann man natürlich gern alle Konstellationen eines Kommentars auswendig lernen, bringt nur nicht viel. Es gibt hier auch keine vorgefertigten „Lehrmeinungen“. Vielmehr muss man ein Verständnis dafür entwickeln, welchen Platz die Norm im Gesamtgefüge einnimmt und welche Funktion sie haben soll. Dann kann man auch mit guten Argumenten die Anwendbarkeit auf neue Fälle bejahen/verneinen. Oder nehmen wir bspw. das „gefährliche Werkzeug“ nach § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB. Auch hier kann man gerne alles auswendig lernen und zumindest „der beschuhte Fuß“ oder die „Bordsteinkante“ bleiben dem Studenten im Gedächtnis. Aber darum geht es nicht. Vielmehr um den Sinn und Zweck hinter der Vorschrift. Mit Verständnis kann man dann auch aberwitzige Fälle lösen (bspw. den hier).

Der Autor mündet zielsicher in der Katastrophe, [EDIT: vgl. mein Kommentar vom 28.11.] wenn man nur diese Ansicht als einzig Richtig ansieht:

[…]Wie kann dieses Problem vermieden werden?
Verzicht auf Lehrbücher!

Mein wichtigster Rat an jeden jungen Jurastudenten ist der folgende: Verzichten Sie vollständig auf Lehrbücher! Es bringt Ihnen nichts. Sie können sich durch das Studium juristischer Lehrbücher weder auf das Juraexamen vorbereiten, noch auf Ihre Berufstätigkeit. Sowohl im Staatsexamen, als auch im Berufsleben als Jurist/Anwalt kommt es immer wieder darauf an, unbekannte neue Fälle schnell und effizient zu lösen.

In keiner Situation werden Sie jemals die Notwendigkeit vor sich sehen, theoretische Kenntnisse aus Fachbüchern wiedergeben zu müssen. Egal ob ein Prüfungsleiter im Examen vor Ihnen steht, Ihnen ein schriftlicher Examensfall vorliegt, oder ein Mandant von Ihnen rechtlich beraten werden möchte, sie müssen in all diesen Fällen immer den präsentierten Sachverhalt anhand des Gesetzes schnell und richtig lösen. Diese Fähigkeit erwirbt man durch das Lesen von juristischen Fachbüchern nicht.

Ach was? Keine Lehrbücher? Kein Verständnis? Nur „Gesetzesanwendung“? Wie will man so verständig mit neuen / geänderten Normen umgehen? Wie kann ich eine Norm aus dem Gesamtzusammenhang „richtig lösen“ ohne den Zusammenhang erkennen zu können? [EDIT: vgl. mein Kommentar vom 28.11.] „Theoretische Fachkenntnisse“ sind spätestens in der Begründetheit einer Klage in der auch um das Recht und nicht nur um den Sachverhalt gestritten wird von essentieller Bedeutung. Zwar könnte man versucht sein nach dem Grundsatz „da mihi factum, dabo tibi ius“ zu arbeiten. Aber will der Mandant wirklich alles vom Gericht erklärt bekommen und nicht vom Anwalt? Nein Herr Kollege, diese Ansicht ist m.E. schlicht falsch und für die Praxis völlig unverantwortlich!

Aber weiter:

Wie kann ohne Fachbücher eine Jurastudium bewältigt werden?
Der wichtigste Weg zu einem erfolgreichen Abschluss im Fach Rechtswissenschaften ist der, konsequent und von Anfang an Fälle zu lösen. […] Wenn Sie das Gesetz zu Beginn Ihres Studiums oder bei der Neubearbeitung eines Rechtsgebietes noch nicht so gut kennen, dann bleibt Ihnen zunächst nichts anderes übrig, als alle Normen, die für eine Lösung in Betracht kommen, zu lesen. Fehlen die notwendigen Kenntnisse, so sind Sie sogar dazu gezwungen, beinahe alle Paragraphen zu lesen, die irgendwie damit zu tun haben könnten. […] Aber genau dieses langsame und ausführliche lesen der einschlägigen Paragraphen führt dazu, dass Sie früher oder später auf eine Lösung kommen. Plötzlich sehen Sie, auf welche Weise der Ihnen vorliegende Sachverhalt anhand des Gesetzes bearbeitet werden kann. […]Sie nehmen sich einen Fall nach dem anderen vor, beispielsweise aus dem Kaufrecht. Zwar haben Sie neue Sachverhalte vor sich liegen, das Gesetz bleibt aber das gleiche. Sie lesen also immer und immer wieder das gleiche Gesetz, müssen daraus aber jeweils neue Lösungswege entwickeln.

Können Sie erkennen, worauf ich hinaus will? Der entscheidende Trick bei dieser Vorgehensweise ist der, dass Sie gezwungen sind das Gesetzbuch, das einzige, was Ihnen im Examen zu Seite steht, immer besser und besser kennenzulernen.[…]

Hätte der Autor etwas methodische Grundlagen gelernt, würde er einen Ansatz von „induktiver Methode“ erkennen. Das ist kein Trick! Die positive Norm aus allen Blickrichtungen verstehen zu wollen und auf ein gemeinsames Merkmal / Prinzip schließen ist induktives Arbeiten. Das mag eine Variante sein, aber diese allein (sic!) ist m.E. zu umständlich und fehleranfällig. Die Lektüre eines Lehrbuchs VOR der Fallbearbeitung liefert nämlich vertiefte Kenntnisse um auch „deduktiv“ arbeiten zu können: Vom allgemeinen Prinzip her den konkreten Sachverhalt lösen. Wer die allgemeinen Prinzipien des Schuld- und Sachenrechts versteht, der kann auch einen Kaufrechtsfall lösen. Ohne Kenntnisse der Prinzipien und Systematik endet jede Falllösung nur in einem „stochern im Nebel“ ohne Verstand, einfach in der Katastrophe. Wie will man bspw. allein aus den Normen des BGB das Zusammenspiel von BGB AT, allgemeinen Schuldrecht, besonderem Schuldrecht und ggf. Sachenrecht verstehen? Wie?

Damit nicht genug, der Autor gibt dann noch weitere praktische Weisheiten mit auf den Weg:

Soll ich den „Freischuss“ nach acht Semestern wagen, oder mich besser für eine längere Studiumszeit (zehn oder zwölf Semester) entscheiden

 

[…] Das Problem ist, dass das typische Jurastudium für einen sehr langen Zeitraum von zwölf Semestern ausgelegt ist. Das heißt, die Stoffmenge, die Sie bis zum ersten Staatsexamen beherrschen müssen, ist für einen Lernzeitraum von sechs Jahren ausgelegt. Meiner Erfahrung nach ist das korrekt. […]

Dennoch wählen viele Studenten den kurzen Weg von nur acht Semestern, um den zusätzlichen Versuch für das Absolvieren des ersten Staatsexamens wahrnehmen zu können („Freischuss“). In diesem Fall ist eine Stoffmenge von zwölf Semestern innerhalb von acht Semestern zu erlernen. Das ist möglich, bedeutet aber sehr viel Stress und ein ununterbrochenes vierjähriges Lernen.?

Sechs Jahre? Hilfe, nein! Das Studium ist auf vier Jahre angelegt und wenn man keinen Mist macht, ist es auch in dieser Zeit schaffbar (die Zahlen der Freischusskandidaten bezeugen dies). Wenn man natürlich nie ein Lehrbuch in die Hand nimmt (oder Vorlesungen besucht, s.u.), dann wird es schwierig. Wenn man dann noch zweimal ins kommerzielle Repetitorium geht (auch s.u.), dann wird es langsam verständlich. Das Studium ist aber so angelegt, das man die Grundlagen in den ersten fünf Semestern legen kann. Dann folgt ein Schwerpunktstudium und dann eine einjährige Examensvorbereitung. Verlängerungen sind individuelle Leistungsfrage, aber man sollte nicht die grundsätzliche Annahme in den Raum werfen, man benötige immer sechs Jahre (zwölf Semester!). Und nein, Freischuss bedeutet auch nicht ununterbrochenes Lernen! In den ersten drei bis vier Semestern beschränkt sich der Aufwand auf Universitätsaktivitäten (Vorlesungen, Übungen) und die besagten 30 Seiten Lehrbuch täglich. Dazu 1-2 Hausarbeiten p.a. und vor den Klausuren etwas Fallübung. In der ersten Studiumshälfte macht man sich wahrlich nicht kaputt!

Soll ich Vorlesungen besuchen? Welche Veranstaltungen im Jurastudium sind sinnvoll, und welche nicht?

 

[…] Ich bin der Ansicht, dass der Besuch von juristischen Vorlesungen reine Zeitverschwendung ist. Man erhält nicht die Informationen, die benötigt werden, sondern die, die der Professor von sich gibt. Der Vortrag des Dozenten ist meist reine Theorie, der Student benötigt jedoch Praxiswissen in Bezug auf das Lösen von Fällen. Meines Erachtens nach kann ein Jurastudent daher auf den Besuch von rechtswissenschaftlichen Vorlesungen verzichten! […]

Und so zieht sich die Auffassung es Autors wie ein roter Faden durch sein Programm. Klar wird dann auch, warum der Autor eine 6 jährige Studienzeit für notwendig erachtet:

Zusammenfassend möchte ich Ihnen die folgenden Ratschläge mit auf den Weg geben: Stellen Sie sich Ihren jeweiligen Semester-Vorlesungsplan so zusammen, dass er möglichst viele Veranstaltungen beinhaltet, die sich mit der Lösung von konkreten juristischen Fällen beschäftigen. Verzichten Sie auf Vorlesungen, die reine Theorie abhandeln. Belegen Sie die Veranstaltungen zur Falllösung mehrmals, und ziehen Sie solche vor, die eigentlich erst für das nächste Semester gedacht sind. Besuchen Sie wiederum die, die Sie bereits kennen, noch einmal. Sie werden überrascht sein, wie viel neues Sie dabei erfahren.

Ja, repetitio est mater studiorum! Das heißt doch aber nicht, dass man in Falllösungsübungen mehrmals gehen sollte. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Fälle von Jahr zu Jahr die gleichen bleiben, da sie didaktisch ausgesucht sind und nicht willkürlich wie Platten vom DJ aufgelegt werden.

Aber damit noch nicht genug „Examenstaktik“:

Welchen Schwerpunktbereich soll ich im Jurastudium wählen?

[…] Eines aber vorab: Der Anteil des Schwerpunktbereiches am gesamten Jurastudium ist so gering, dass dessen Einfluss wesentlich kleiner ist, als es die meisten Studenten für möglich halten. Sie werden sich im späteren Berufsleben innerhalb kürzester Zeit in die verschiedensten Rechtsbereiche einarbeiten können, selbst wenn diese Ihnen zunächst schwierig und schwer beherrschbar vorkommen. […]

Der gut gemeinte Ratschlag, der durch ständige Wiederholung nicht besser wird. Statt ein interessantes Studium zu absolvieren gleich das Examen einkalkulieren. Das Examen ist natürlich wichtig, aber nicht alleiniger Zweck. Die ersten vier Semester meines Studiums (zzgl. eines Erasmussemesters) hatte ich keine Ahnung, was dieses Examen bedeutet. Ich habe mich auch nicht darüber informiert und insoweit auch keinerlei Taktiküberlegungen angestellt. Es hat mir auch nicht geschadet.

Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen, die Wahl auf einen Bereich zu setzen, der Ihnen im Examen mit geringem Aufwand eine hohe Punktzahl in der Klausur verspricht. Meines Erachtens nach ist das beispielsweise der Bereich der Rechtsgeschichte. […]

Tja, und nun liebe Leser, warum wird wohl Rechtsgeschichte empfohlen? Weil man die Geschichte des Rechts im Nationalsozialismus und der Teilung aus der Schule kennt? Weil man Judgment at Nuremberg schon im Spätprogramm gesehen hat? Weil man mit Asterix-Comics Grundlagen im römischen Recht gelegt hat? Warum?

Dieser Schwerpunktbereich stellt an den meisten juristischen Fakultäten eher ein Nischenfach dar, und wird nur von wenigen Studenten gewählt. Umso mehr freut sich der betreuende Professor, wenn ein Student dieses Fach als Wahlfach wählt.

Da fällt einem nichts mehr ein. Mit reinem „Interesse vorgaukeln“ soll man also in den Klausuren und Seminararbeiten gute Punkte einfahren? Wie will man eigentlich den Stoff ohne Lehrbuch und Vorlesung erarbeiten? Man sollte schon etwas Begeisterung für die Sache mitbringen: Nur die Note im Blick zu haben ist töricht. Woher weiß man, ob die anderen 15 Studenten die diesen Schwerpunkt wählen nicht wahrhaft begeistert sind durch ihr Latinum oder durch die Lektüre von Pandekten und Digesten? Nein, den Schwerpunkt sollte man eher nicht „examenstaktisch“ wählen, sondern rein nach Interesse. Nur wer Interesse an einer Sache hat, wird auch gut darin.

Für Studenten aus bayerischen Fakultäten gibt es noch einen anderen Tip:

Studieren Sie in Bayern, so müssen Sie im zweiten Staatsexamen das Steuerrecht beherrschen. […] Insofern kann es eine vernünftige Alternative sein, wenn Sie bereits im ersten Staatsexamen das Wahlfach „Steuerrecht“ bzw. den Schwerpunktbereich „Wirtschaft und Steuern“ wählen. Sie gewinnen dadurch frühzeitig eine wesentliche Erleichterung für das zweite Staatsexamen, da sie dann schon das entsprechende Grundlagenwissen im Steuerrecht mitbringen. […]

Zudem ist es im Steuerrecht gut machbar, bereits im ersten Staatsexamen eine zweistellige Klausurenpunktzahl zu erreichen. Es ist tatsächlich so, dass man alleine schon durch die Wahl des Faches Steuerrecht einen Bonus beim Korrektor erhält. […]

Planen Sie später einmal, sich als Rechtsanwalt selbständig zu machen, so können Ihnen Ihre im Studium erworbenen Kenntnisse im Steuerrecht dabei sehr gut behilflich sein. Bereits im Studium lernen Sie viel über die steuerrechtliche Gewinnermittlung eines Rechtsanwaltes, da diese Berufsgruppe verständlicherweise in zahlreichen Beispielfällen zur Illustration herangezogen wird. […]

Ja. Was soll man dazu sagen? Klar kann ich als Steuerrechtler jedem nur zum Schwerpunkt Steuerrecht raten. Allerdings nicht nach den obigen Entscheidungskriterien. Kuschelnoten werden nicht verschenkt (kann ich als Prüfer der mündlichen Prüfungen im Schwerpunkt der HU-Berlin bestätigen) und um praktisch anwendbares Steuerrecht im Anwaltsberuf geht es garantiert auch nicht. Das ist Augenwischerei!

Es folgt Ratschlag Nr. 5

Wie schreibe ich eine Hausarbeit in zehn Tagen?

und hier kann ich doch endlich auch in vielen Punkten zustimmen. Puuuhh…

[…] In einem ersten Schritt müssen Sie den Sachverhalt wie einen ganz normalen Fall lösen, nur mit Hilfe des Gesetzes. Stellen Sie sich einfach vor, dass es sich bei der Hausarbeit um einen Klausurfall handelt, den Sie jetzt innerhalb von ein paar Stunden lösen müssen. Verzichten Sie daher zunächst auf weiterführende Literatur und Kommentare, sondern erstellen Sie eine simple Lösungsskizze des Falls als Gliederung. […] In einem zweiten Schritt greifen Sie nun zu einem Kommentar, und lesen alle Kommentierungen zu den von Ihnen in der Lösungsskizze aufgeführten Paragraphen. […]

Soweit so gut. Genauso sollte man es auch machen um sich nicht zu verzetteln. Nur den folgenden Schritt

Nun suchen Sie die von Ihnen aufgefundenen Artikel zusammen und kopieren diese aus den gebundenen Ausgaben der Fachzeitschriften in Ihrer Bibliothek. Das Lesen der Fachartikel wird Ihnen die Augen öffnen: Plötzlich finden sich hier zahlreiche Stellen, die nahezu haargenau den Sachverhalt Ihrer Hausarbeit wiedergeben.

So einfach ist es nun auch nicht. Ok, vielleicht in der Anfängerhausarbeit, aber nicht mehr im Hauptstudium. Ich erinnere mich gern an meinen großen Schein im Zivilrecht, dort drehte sich alles um aktuelle OLG Rspr. zu der noch kein „Basta“ vom BGH vorlag. Da es recht aktuell war gab es auch nur 2-3 Aufsätze.

[…] Am Ende schließen Sie sich der herrschenden Meinung an, um in der Hausarbeit kein Risiko einzugehen. […] Am Ende liegt Ihnen eine Hausarbeit vor, die Ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit eine zweistellige Punktzahl einbringen wird.

Das vage ich zu bezweifeln! Ohne kritische Würdigung kommt man ggf durch die Hausarbeit im Grundstudium, aber nicht nur das Hauptstudium und schon gar nicht durch ein Seminar!

Den Hinweis

Vermeiden sollten Sie auf jeden Fall das sinnlose und unstrukturierte Lesen in juristischen Schulungs- bzw. Lehrbüchern. Egal um welches Buch es sich handelt, das Lesen von Büchern hat bei der Erstellung einer Hausarbeit nichts verloren

lasse ich unkommentiert.

Es folgt Ratschlag Nr. 6

Ist es empfehlenswert, neben dem Studium bei einem Anwalt zu arbeiten?

Natürlich kann ich nicht vollumfänglich zustimmen, aber ein Ratschlag dem man im Großen und Ganzen zustimmen kann.

Dafür hält Ratschlag Nr. 7 wieder interessante Ideen parat!

Wie besuche ich ein Repetitorium so effektiv wie möglich?

Repotitorium? Gut, über Sinn und Zweck kann man auch streiten, gehen wir aber für diesen Beitrag davon aus, das es zahlreiche Studenten gibt, denen das Rep vor dem Examen durchaus hilft. Der Autor hat nun jedoch einen interessanten Ansatz:

[…] Wie kann nun, angesichts dieses straffen Zeitplans, der zweimalige Besuch eines juristischen Repetitoriums eingeplant werden? […] Innnerhalb weniger Wochen lernt man in einem Repetitorium so viel, wie im gesamten vorherigen Jurastudium. Sofort bereuen die meisten Jurastudenten, dass sie das Rep nicht viel früher aufgesucht und stattdessen zuviel Zeit an der Universität verbracht haben. […] Ich empfehle Ihnen das folgende: […] besuchen Sie ein privates Repetitorium zweimalig. Nutzen Sie dafür beispielsweise das vierte und fünfte Semester für den ersten Durchgang, und dann das sechste und siebte Semester für den zweiten.

Wie wäre es statt dessen mit der Lektüre von Fachbüchern? Wieviel Seiten Lehrbuch schafft man noch gleich an 3-4 Vormittagen in der Woche?

Seien Sie nicht von dem Gedanken irritiert, dass Sie ohne Vorkenntnisse nicht in ein Repetitorium gehen könnten. Dieser Gedanke ist absolut fatal! Sie können im Rahmen Ihres universitären Studiums maximal 20 Prozent des examensrelevanten Wissens erlangen. Die restlichen 80 Prozent werden Ihnen im Repetitorium beigebracht.

Und warum Herr Kollege? Warum? Weil die Studenten nur stupide ihre Fälle lösen wie ein Subsumtionsautomat, Definitionen auswendig lernen und Standardstreits wiederkäuen. Wer hingegen schon frühzeitig Bücher (und nicht nur Richter- oder Niederle-Skripten) liest, der kann durchaus auch auf höhere Werte kommen.

Was bleibt? Man kann nur hoffen, das viele Studenten den Schmarrn (und mehr ist es leider nicht) nicht lesen bzw. über Google zu dieser Kritik geleitet werden. Ein erfolgreiches Jurastudium ist ohne Fleiß nicht denkbar, insbesondere Lesefleiß. Der Umgang mit dem Text ist die entscheidende Übung. Den richtigen Umgang lernt man auch noch in der Universität. Hier sollte man sich auch ruhig im ersten Semester „treiben“ lassen: In Vorlesungen, in Übungen und in die Bibliothek. Gerade letztere wird ohnehin oft zum 2. zu Hause bis nach dem 2. Examen. Also keine Scheu! Und nicht vergessen: Falllösung ist wichtig, aber ohne Grundlagen wird es nur zum lausigen Examen reichen.

Jurastudentin wegen „Beamtenbeleidigung“ vor Gericht

Die Qualitätspresse berichtet:

Anklage: Beleidigung.
Die Angeklagte: Studentin im ersten Semester.
Fach: ausgerechnet Jura.
„Arme Sau!“ und „Du hast doch sowieso nur einen IQ von 88“, soll die blonde Studentin gesagt haben.
ZU ZWEI POLIZISTEN!

Wie der Jurastudent schon im zweiten Semester lernt, stellt die Beleidigung eines Polizeibeamten natürlich einen unbenannten schweren Fall der Beleidigung dar. Das gehört dann zwingend vor den Kadi!

Der Hintergrund wird natürlich auch berichtet (und da es nicht soviel ist, bitte dem Link folgen, damit hier kein Vollzitat steht).

Die Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld angeboten, das Verfahren gegen 60 Stunden gemeinnützige Arbeit einzustellen. Franziska H. lehnte ab. […] In Jugendjahren fiel sie bereits wegen Diebstahls, versuchten Betrugs und Urkundenfälschung auf. Dass das jetzt im Register steht, scheint sie auch nicht gewusst zu haben.

Nach einem prozessualen „Kniff“ (‚Sollen wir alle Zeugen hören?‘) hat der liebe Richter am Amtsgericht auch noch belehrend und befriedigend eingegriffen.

Richter: „Sie studieren Jura! So geht das nicht weiter.“

Der hat gesessen; die Studentin akzeptiert eine Einstellung nach § 153a StPO (250€) und

zum Schluss entschuldigt sie sich im Saal sogar noch bei den Polizisten.

Happy End!

Leiter des bayerischen Landesjustizprüfungsamts gibt Tipps für den Erfolg im Ersten Staatsexamen

Auf LTO werden vier goldene Regeln vom obersten Prüfer (betrifft nur Bayern) für ein erfolgreiches erstes Staatsexamen genannt!

Ok, wir wissen, seit der Juristenreform vor fast 10 Jahren gibt es eigentlich kein erstes Staatsexamen mehr. Durch die universitäre Schwerpunktprüfung nennt sich das ganze nur noch erste Prüfung (vgl. § 5 Abs. 1 DRiG). Dennoch wollen wir uns die vier Thesen anschauen:

Tipp 1: Aktuelle Rechtsprechung analysieren
In der Examensvorbereitung sollte die aktuelle Rechtsprechung der Obergerichte verfolgt werden. Es geht aber nicht darum, Leitentscheidungen auswendig zu lernen, sondern zu erkennen, was gerade rechtlich „en vogue“ ist. […]

Also sollte man Trends aufnehmen, weil die Klausuren das auch machen? Ist jetzt nicht der Überraschungstipp schlechthin, bieten doch die kommerziellen Repetitoren schon seit unvordenklichen Zeiten entsprechende Zeitschriften an. Aber gut, somit ist der Markt für AS RÜ, Nomos RÜ und Hemmer Life&Law für Dekaden gesichert. Die Grenze zwischen Prüfung von guter methodischer Arbeit am aktuellen Thema hin zur Prüfung aktuellen Case Laws ist freilich fließend.

Tipp 2: Zeitmanagement
Im Examen selbst muss die knappe Zeit optimal genutzt werden. Es bringt nichts, die Grundlagen zu vernachlässigen: Lesen Sie zunächst den Bearbeiterhinweis, analysieren Sie den Sachverhalt genau, strukturieren Sie die Rechtsbeziehungen auf Papier vor, suchen Sie passende Anspruchsgrundlagen auf und erstellen Sie eine detaillierte Gliederung. Für diese Vorüberlegungen sind drei Stunden Zeit angemessen, zwei Stunden verbleiben dann für das Niederschreiben.

Das ist jetzt nicht ernsthaft so gemeint, oder? Das soll ein Scherz sein und die Studenten nur zum nachdenken anregen… Drei Stunden für den Sachverhalt und die Lösungsskizze und zwei Stunden für die Niederschrift des Gutachtens? Nein, das ist großer Tobak! Liebe Studenten, das kann nicht richtig sein. Selbst drei Stunden reichen selten für die Niederschrift, gerade im Strafrecht kommt ein guter Bearbeiter auch bei vier Stunden Schreibarbeit ins Schwitzen. Aber nur zwei Stunden?

Tipp 3 und 4 sind nachvollziehbar, wenn auch nicht bahnbrechender als die üblichen Repetitorensprüche (Probleme schaffen, nicht fortschaffen etc.).

Was meinen die Leser?