Gudrun Gersmann, Professorin und Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Paris und Vorsitzende des DFG-Unterausschusses für elektronisches Publizieren, schrieb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18. Februar 2009 (
...jurabilis! berichtete):
Zu guter Letzt begreifen wir die Open-Access-Politik unseres Instituts als einen wichtigen Beitrag zur Internationalisierung und Demokratisierung der Geisteswissenschaften: Nicht jeder Leser der ›Pariser historischen Studien‹ lebt in Paris und erfreut sich eines bequemen Zugangs zu einer der exzellenten Pariser Forschungsbibliotheken. Gerade frankophone Wissenschaftler aus armen Ländern mit chaotischer Bibliothekssituation und defizitärer Literaturversorgung wissen den freien Zugang zur Forschungsliteratur zu schätzen.
Eigentlich das, was man auch in Lobbyistenkreisen als "einleuchtend" bezeichnen muss.
Es sei denn, man verbindet eine bereits sachlich abwegige These mit einer Form des Zynismus, die allzu tief blicken lässt.
Dann antwortet man so:
Sollen wir allen Ernstes glauben, daß frankophone Wissenschaftler, die aus einem afrikanischen Land mit chaotischer Bibliothekssituation und defizitärer Literaturversorgung kommen, ausgerechnet in einem solchen Land die Ressourcen finden, um sich online mit der Welt in Verbindung zu setzen und dann auch gleich noch die an Frau Gersmanns Pariser Institut aufgelegte Online-Ausgaben von »Francia« zu lesen?
Dieses "Argument" muss man sich in vielerlei Hinsicht auf der Zunge zergehen lassen. Es wird mehr als einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen.